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Ätiopathogenese

Ätiopathogenese, Symptome, Befunde, Nachbehandlung, Prognose

Dr. Estella Böhmer

Die Malokklusion im Bereich der Incisivi in Form der Brachignathia superior mit gleichzeitig stärkerer Aufwölbung der Nasenbeine und verkürztem Diastema wird ebenso wie ein seltener vorkommender fehlerhafter Krümmungsradius der Schneidezähne oder die Camphylognathie allgemein als Erbfehler angesehen. Die Vererbung ist beim Kaninchen einfach autosomal rezessiv mit unvollständiger bzw. verhältnismäßig variabler Penetranz; d.h. daß nicht alle homozygot rezessiven Individuen den Defekt zeigen. Als zweithäufigste Ursache können die Incisivi aber auch fütterungsbedingt, bei zu weicher Nahrung, mangelhaft abgerieben werden. Auch exogene Faktoren, z.8. Kieferfrakturen, Zahnfrakturen, traumatischer Zahnausfall, stumpfes Alveolartrauma mit Schädigung des Zahnkeimes oder entzündliche Prozesse können zur Malokklusion führen. Durch das Trauma oder die Entzündung kann die Kieferform oder die Richtung der Zahnfächer verändert werden.

Die Ätiopathogenese der Malokklusion im Bereich der Backenzähne ist hingegen umstritten. Es ist ungeklärt, ob die Malokklusion Zahnüberwachstum oder Zahnüberwachstum die Malokklusion hervorruft. Ursächlich angeführt werden wie bei den Schneidezähnen eine genetische Prädisposition mit angeborener Zahnfehlstellung, wobei in der Regel die ganze Backenzahnreihe einen veränderten Neigungswinkel aufweist. Die Veränderungen sind im Prämolarenbereich meist ausgeprägter. Desweiteren kann ursächlich eine fütterungsbedingte mangelhafte Abnutzung der Backenzähne vorliegen. Auch eine entzündungsbedingte Schädigung der Zahnanlage oder Zahnsubstanz sowie Störungen des Ca-P-Haushaltes können zur Wachstums- und Stellungsanomalie vereinzelter Backenzähne führen. Als weitere Ursachen der Malokklusion kommen - wie im Schneidezahnbereich - Traumata oder iatrogene Verletzungen der Zahnsubstanz bei der Zahnextraktion oder inkorrekten Zahnkürzung in Betracht.

Die Symptome sind bei Heimtiere mit odontologischen Erkrankungen recht charakteristisch und bestehen oft über einen längeren Zeitraum, d.h. Wochen oder gar Monate. Bei zunächst erhaltenem Appetit verweigern die Tiere harte, später auch weiche Nahrung. Vermehrte Salivation tritt in der Regel nur bei Malokklusion im Bereich der Backenzähne auf. Durch das unzureichende Vermahlen des Futters kann Diarrhoe auftreten. Auch wird die unvollständig zerkleinerte Nahrung nur unzureichend verwertet, so daß die Tiere Gewicht verlieren. Bei länger andauernden Kaubeschwerden magern die Tiere infolge zunehmender Inappetenz noch stärker ab. Endstadien der Erkrankung sind völlige Apathie, Dehydration und Kachexie. Aber auch Entwicklungshemmungen bei Jungtieren oder therapieresistente chronische Augenentzündungen können auf primäre Zahnerkrankungen hinweisen.

An den Schneidezähnen der Hasenartigen und Nager wird als Hauptbefund meist ein Zahnüberwuchs als Folge mangelhafter Zahnabnutzung bei vorliegender Brachygnathia superior oder zu weicher Nahrung diagnostiziert. Seltener sind Schmelz- (und Dentin-) hypoplasien, die erblich sein können oder als Folge einer Rachitis auftreten. Im Bereich der Backenzähne werden neben oft ausgeprägten Zahnspitzen mit sekundären Zungen- bzw. Backenschleimhautläsionen häufig auch "Treppenzahnbildungen" diagnostiziert. Die Abreibung erfaßt nicht mehr die gesamte Kaufläche; einzelne Backenzähne mit meist weicherer Zahnsubstanz werden stärker abgerieben. Bei Meerschweinchen überwiegt die Brückenbildung im Prämolarenbereich, wodurch die Zunge in ihrer Beweglichkeit stark eingeschränkt und der Nahrungstransport sowie das Abschlucken behindert sind. Ursächlich liegt hier eine stärkere Neigung der gesamten Backenzahnreihe vor.

Bei der Nachbehandlung muß berücksichtigt werden, daß viele Patienten, vor allem Meerschweinchen, nach der Zahnsanierung nicht sofort selbständig Futter aufnehmen. Bei Schmerzzuständen können versuchsweise Analgetika verabreicht werden. Hierzu eignen sich Metamizol) (30-50mg/kg) oder Acetylsalicylsäure (10mg/kg). Bei anhaltender Futterverweigerung müssen die Tiere jedoch zur Vermeidung einer Hungerketose (besonders Meerschweinchen) oft über einen längeren Zeitraum artspezifisch zwangsernährt werden. Geeignet ist für Kaninchen ein Gemisch aus 1/3 Baby-Gemüsebrei oder geriebenen Karotten, 1/3 Instant-Haferflocken sowie 1/3 aufgeweichter Pellets. Von Meerschweinchen wird lieber ein Apfel/Möhren/Salatgemisch angenommen. Hinzu kommen zur Normalisierung der physiologischen Darmflora Joghurt oder Laktobazillen. Neben einer Aminosäurelösung kann dem Gemisch auch Traubenzucker oder Honig beigefügt werden. Beim Meerschweinchen kommen 50-100mg Vitamin-C hinzu. Bei länger anhaltenden Dysbakterien kann eine Kotaufschwemung gesunder Tiere verabreicht werden. Die Zwangsfütterung wird mehrmals täglich in kleineren Portionen peroral mit einer Spritze durchgeführt oder über eine Magensonde.

Wichtig ist auch eine regelmäßige Kontrolle der Patienten. Bei den geringsten Anzeichen von Inappetenz müssen die Tiere sofort zur Untersuchung und frühzeitigen Therapie vorgestellt werden. Ein wesentlicher Faktor für die Rezidivprophylaxe bei weniger ausgeprägten Fehlstellungen der Zähne bzw. der Kiefer ist ein ausreichendes Angebot an Hartfutter. Hierzu zählen trockenes Brot, Weiden-, Buchen-, Obstbaumzweige und frisches Heu und Stroh ad libitum. Die Fütterung von harter Nahrung beeinflußt nachweislich das Wachstum und die Abnutzung der Schneidezähne. Sind hingegen die Zahnfächer hochgradig verformt und Einzelzahnfehlstellungen die Folge, so kann die mangelhafte Zahnabnützung mit einer entsprechenden Futterumstellung kaum beeinflußt werden

Bei einer eventuell erforderlichen Antibiotikatherapie muß berücksichtigt werden, daß verschiedene Antibiotika für Hasenartige und Nager indirekt toxisch sind. Hierzu zählen Penicillin, Ampicillin, Lincomycin, Streptomycin, Erythromycin, Bacitracin, Tylosin, Clindamycin. Die Ursache der Antibiotikaunverträglichkeit ist eine sekundäre Veränderung der Darmflora. Besonders selektiv gegen grampositive Keime wirkende Substanzen, wie z.B. Penicillin, können durch Hemmung der physiologischen Darmflora, meist grampositive Laktobazillen und Streptokokken, Dysbakterien und Enterotoxämien mit perakutem oder subakutem Endotoxinschock hervorrufen. Nach anfänglicher Inappetenz, später völliger Anorexie, Hypothermie und Dehydration kann es zum schnellen Tod des Tieres kommen. Orale Gaben dieser Antibiotika sind gefährlicher als parenterale Applikationen. Für Hasenartige und Nager empfehlenswerte Antibiotika sind: Chloramphenicol, Sulfonamide, Trimethoprim-Sulfonamide, Oxytetracyclin, Doxycyclin und Enrofloxacin.

Wird die Zahnsanierung rechtzeitig durchgeführt, d.h. bei gutem Allgemeinbefinden und zufriedenstellendem Emährungszustand der Patienten, und ist der Krankheitsverlauf komplikationslos, so ist die Prognose im allgemeinen gut. Auch die Art der Zahn- bzw. Kieferveränderungen spielt ein Rolle. Im Gegensatz zu manchen erworbenen Befunden (vereiterter Backenzahn, Zahnfraktur) können kongenitale Zahn- oder Kieferfehlstellungen durch korrektive Maßnahmen an den Zähnen allein nicht beseitigt werden. Desweiteren hat auch das AIter der Tiere eine die Prognose beeinflussende Rolle. Je jünger die Tiere zum Zeitpunkt der Erstvorstellung sind, desto ungünstiger ist die langfristige Prognose, da mit häufigen Rezidiven gerechnet werden muß. Allgemein gilt, daß bei Veränderungen im Schneidezahnbereich durchschnittlich alle 6 Wochen eine Nachuntersuchung bzw. Therapie erforderlich ist; im Backenzahnbereich treten Rezidive in der Regel nach durchschnittlich 6 Monaten auf.

[weiter: Untersuchungs-, Diagnose- und Narkosebericht bei Hasenartigen und Nagern mit Zahnerkrankungen bzw. Zahnanomalien]

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