CuRoXRay (C:Böhmer, 2012)

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Sedierung

Sedierung und Narkose, Narkoseüberwachung, Narkoseprobleme, Kontrolle während der Aufwachphase

Dr. Estella Böhmer

Hasenartige und Nager sind sehr empfindliche und anspruchsvolle Anästhesiepatienten mit einem verhältnismäßig hohem Narkoserisiko. Vor Einleitung der Narkose müssen der Gesundheits- und Ernährungszustand des Patienten inklusive Körpergewicht exakt erfaßt und entsprechend bei der Dosierung der Narkotika berücksichtigt werden. Auch das Herz-Kreislauf-System sowie das Atmungssystem sind sorgfältig zu untersuchen. Relativ viele Hasenartige und Nager - vor allem ältere Tiere und Ratten - leiden an latenten chronischen Atemwegserkrankungen. Symptome wie Niesen, Röcheln, Husten, forciertes Atmen oder leichter Nasenausfluß können hierauf hinweisen. Kleine Heimtiere mit Zahnerkrankungen befinden sich infolge der eingeschränkten Futteraufnahme und des langwierigen Krankheitsverlaufes oft in einem katabolen Stoffwechselzustand mit Entgleisungen im Elektrolyt, Glukose sowie Säure-Basen-Haushalt (Hypoglykämie, Hämokonzentration, Ketose, Azidose). Vor der Narkose empfiehlt sich in diesen Fällen - soweit möglich - eine Blutuntersuchung ggf. mit Blutgasanalyse. Entsprechend den Befunden oder aufgrund empirischer Werte wird eine eventuell mehrtägige intravenöse oder subkutane Infusionstherapie durchgeführt. Eine bereits vor der Narkose bestehende Dehydrierung und Blutazidose kann unter Narkose ganz erheblich verstärkt werden und über eine schwere Kreislauf- bzw. Ateminsuffizienz zu Narkoseproblemen oder gar zum Exitus führen. Kachektische Tiere werden zusätzlich mehrere Tage vor der Narkose mit einer kohlenhydrat- und elektrolytreichen Flüssignahrung (z.B. Oralpädon mit Honig oder Traubenzucker) oder artspezifischen Zwangsernährung auf die Narkose vorbereitet. Meerschweinchen erhalten vor der Narkose routinemäßig 50-100mg/Tier Vitamin-C, da eine Vitamin-C-Unterversorgung das Narkoserisiko beträchtlich erhöht und auch die Nachschlafphase verlängert. Bei allen Patienten ist die Verabreichung eines kleinen Multivitaminbolus (0,5-l,Oml eines Multivitaminpräparates) empfehlenswert.

Vor und zur Einleitung der Narkose werden die Tiere in einen ruhigen, ev. etwas abgedunkelten Raum verbracht werden, da ansonsten Erregungserscheinungen das Narkoserisiko erhöhen können. Eine rutschfeste Unterlage und ruhige Handhabung der Tiere beim Verabreichen der Anästhetika sind selbstverständlich. Auch die Raumtemperatur spielt neben der Tageszeit eine die Stoffwechselfunktion beeinflussende Rolle. Bei nachtaktiven Tieren, wie Chinchilla, Hamster, Meerschweichen und Ratten, sollte die Narkose entweder am frühen Morgen (8-11 Uhr) oder abends durchgeführt werden, um lange Nachschlafphasen zu vermeiden.

Die für Hasenartige und Nager empfehlenswerten Sedativa und Narkotika und die entsprechenden Dosierungen für die einzelnen Tierarten sind in der beiliegenden Tabelle angeführt. Infolge der besonderen Kreislauflabilität der Hasenartigen und Nager werden die Anästhetika stets individuell) und - abhängig vom AIter und dem Allgemeinzustand des Patienten - streng nach Wirkung appliziert. Um Nekrosen zu vermeiden, werden die Narkotika bei allen kleinen Nagern ausschließlich mit physiologischer Kochsalzlösung verdünnt intramuskulär oder besser intraperitoneal verabreicht werden.

Zur Vorbeugung eines möglichen Blutdruckabfalls während der Narkose können Hasenartigen und Nagem subkutan oder intraperitoneal warme Elektrolytlösungen (5-20 ml/kg) verabreicht werden. Der Kreislauf stabilisiert sich auf diese Weise recht gut. Alternativ können beim Kaninchen oder Meerschweinchen bei länger dauernden Narkosen auch intravenöse Infusionen durchgeführt werden (3-11 ml/kg/Std.).

Die Beurteilung der Narkosetiefe erfolgt anhand der Atemfrequenz und der Atmungstiefe, des Muskeltonus, der Pupillengröße bzw. Pupillarreaktion, der Farbe der sichtbaren Schleimhäute, Reflexantworten auf bestimmte Stimuli (Lidschlag, Kornealreflex, Ohrblasreflex, Zwischenzehenreflex, Hautreflex) sowie dem Tonus der Muskulatur, insbesondere der Kiefer- und Bauchmuskulatur sowie der Muskeln der Hintergliedmaßen. Hasenartige und Nager zeichnen sich durch eine hohe Reflexaktivität aus, völlige Reflexfreiheit bedeutet eine zu tiefe Narkose, die rasch zu einer irreversiblen Atemlähmung bzw. Asphyxie führt. Der Zwischenzehen-, Ohrblas- sowie Komealreflex sollen - nach Ansicht der meisten Autoren - im chirurgischen Stadium der Narkose noch auslösbar sein. Die Reflexantwort sollte jedoch nur noch schwach ausfallen. Es gibt jedoch abhängig vom verwendeten Narkosemittel, der Tierart oder der Rasse große individuelle Unterschiede. Eine geringe Toleranzbreite zwischen reflexfreier Narkose und irreversibler Atemlähmung gilt vor allem für Mononarkosen. Bei Kombinationsanästhesien bzw. Neuroleptanalgesie wird die therapeutische Breite etwas größer. Atemfrequenz und Atemtiefe gelten bei Hasenartigen und Nagem als die besten Parameter für die Beurteilung der Narkosetiefe. Im chirurgischen Toleranzstadium ist die Atmung regelmäßig und tief, die Pupillen sind mittelgradig dilatiert. Die Sauerstoffsättigung des Blutes wird über die Farbe der sichtbaren Schleimhäute sowie die Farbe der Nase bzw. Fußsohlen beurteilt. Wichtige Parameter zur Beurteilung der Herz-Kreislauffunktion sind des weiteren die Herzfrequenz, -rhythmus und die Kapillarfüllungszeit. Pulsfrequenz, Pulsqualität und -rhythmus können durch direkte Palpation einer peripheren Arterie, beim Kaninchen am einfachsten die A. auricularis, oder des Herzspitzenstoßes beurteilt werden. Als technisches Hilfsmittel stehen das Elektrokardiogramm oder das Ösophagusstethoskop zur Verfügung. Mit letzterem kann gleichzeitig die Herz- und Atemfrequenz festgestellt werden.

Alarmzeichen einer zu tiefen Narkose sind ein fehlender Komealreflex oder eine völlige Areflexie. Mydriasis, Protrusio bulbi mit Nickhautvorfall und starre, weite Pupillen ohne Pupillarreaktion weisen ebenfalls auf Narkoseprobleme hin. Auch eine zunehmende Zyanose der sichtbaren Schleimhäute, flache Atmung oder verstärkt diaphragmatische Atmung mit forcierter Inspiration bzw. Schnappatmung sind Hinweise für ein zu tiefes Narkosestadium. Vorübergehende Atemdepressionen treten bei Kaninchen relativ oft auf, vor allem, wenn sie an einer subklinischen Atemwegserkrankung leiden oder kurz nach Einleitung der Narkose, wenn die Anästhetika ~ zu schnell verabreicht werden. Bei Narkoseproblemen muß sofort die Herz-/Kreislauf- und Atmungssituation überprüft werden. Bei exzessiver trachealer Sekretion oder Hypersalivation wer den die oberen Luftwege von Schleim befreit (Absaugung). Über eine Maske oder einen kleinen Schlauch wird reiner Sauerstoff zugeführt. Bei sistierender Lungenexkursion kann das Tier in der Längsachse geschwenkt oder direkt über die Nase vorsichtig beatmet werden. Bei Bedarf erfolgt eine extreme Thoraxkompression mit einer Frequenz von ca. 50-100/min. Wichtig ist auch die Kontrolle der Körpertemperatur. Zur Unterstützung des Kreislaufs werden - je nach Größe des Patienten - intravenös oder subkutan warme Infusionen verabreicht. Als Notfallmedikamente sollten stets Aminophyllin (1-2mg/kg; Dilatation der Bronchialmuskulatur), Doxapram (2-4mg/kg; Atemstimulans), Prednisolon (2-10mg/kg; Schocktherapie) und Adrenalin (0,05-0,1m1/kg i.c.; Herzstimulation) greifbar sein. Bei Narkoseproblemen kann zusätzlich eine Antagonisierung des Diazepam mit Flumazenil (0,03-0,3mg/kg) bzw. des Xylazin mit Tolazolin (2-4mg/kg), Johimbin (1-4mg/kg) oder Atipamezol (0,05-0,2mg/kg) durchgeführt werden.

Eine erfolgreiche Anästhesie und problemlose Aufwachphase bei Hasenartigen und Nagem erfordert eine intensive Überwachung des Patienten. Auch sollte die Narkose so kurz wie möglich gehalten werden. Auch wenn der Patient aufrecht im Käfig sitzt, so ist die Lebensgefahr noch nicht gebannt. Nicht nur während der Narkose sondern auch in der mehrstündigen Aufwach- und Nachschlafphase sind alle Hasenartigen und Nager besonders anfällig für einen Temperaturverlust. Einerseits ist die normale Temperaturregelung durch Narkotika gedämpft und andererseits verlieren die kleinen Nager über die verhältnismäßig große Körperoberfläche im Vergleich zu ihrem Gewicht viel Wärme. Eine Hypothermie kann neben Narkosekomplikationen zu einer deutlich verlängerten Nachschlafphase und sogar plötzlichen Todesfällen führen. Die Patienten können zur Verhinderung eines Temperaturabfalls in Aluminiumfolie eingewickelt oder auf zirkulierende Warmwassermatten oder elektrische Wärmkissen gelegt werden. Auch eine Infrarotbestrahlung ist möglich; jedoch ist hierbei die Gefahr der Überhitzung relativ groß. Um eine hypostatische Lungenkongestion zu vermeiden sind die Tiere während der Aufwachphase alle 30 Minuten zu wenden. Bei Chinchillas muß desweiteren berücksichtigt werden, daß sie latent oder manifest an einem Ca.- bzw. Mineralstoff-Mangel-Syndrom leiden können. Es zeigt sich in einer verstärkten Krampfneigung der Tiere, vor allem bei Aufregung. Erst durch die Narkose kann das Krankheitsbild manifest werden. Infolgedessen ist bei Chinchillanarkosen sowohl in der Einleitungs- als auch Aufwachphase eine ständige Überwachung angezeigt

[weiter: Ätiopathogenese, Symptome, Befune, Nachbehandlung, Prognose]

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